Gebäude- und Infrastrukturdaten gemeinsam nutzbar machen
CAD-Daten enden häufig an der Außenkante eines Gebäudes, während GIS-Daten den Standort nur in einer übergeordneten geografischen Darstellung zeigen. Für das Facility Management ist diese Trennung unpraktisch. Gebäude, Verkehrsflächen, Entwässerung, Beleuchtung, Grünflächen, unterirdische Leitungen und Sicherheitsbereiche bilden ein zusammenhängendes Betriebssystem. Eine geregelte CAD-GIS-Verknüpfung verbindet die Detailgenauigkeit der Gebäudeplanung mit dem räumlichen Standortbezug geografischer Informationssysteme.
CAD und GIS räumlich integriert nutzen
Ein verbindliches Koordinaten- und Höhensystem verwenden
Voraussetzung für die Integration ist ein eindeutig dokumentiertes Koordinatenreferenzsystem. Lokale CAD-Ursprünge, verschobene Gebäudekoordinaten oder nicht dokumentierte Drehungen führen bei der Zusammenführung zu erheblichen Abweichungen. Für jeden Standort sind Lagebezug, Höhenbezug, Maßeinheit, Transformationsregeln und erwartete Genauigkeit festzulegen. Die ISO 19111 beschreibt die erforderlichen Informationen zur Definition von Koordinatenreferenzsystemen und Koordinatentransformationen. Damit entsteht eine nachvollziehbare Grundlage für die räumliche Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen.
Führende Systeme eindeutig bestimmen
Nicht jedes Objekt darf gleichzeitig in CAD, GIS und CAFM eigenständig gepflegt werden. Für Gebäudegeometrien kann das CAD- oder BIM-System führend sein, während Straßen, Grundstücke und Leitungsnetze im GIS verwaltet werden. Kaufmännische und betriebliche Attribute können aus dem CAFM stammen. Für jede Objektgruppe ist festzulegen, welches System die verbindliche Quelle darstellt und welche Anwendungen nur Kopien oder Auszüge erhalten. Dadurch werden widersprüchliche Flächen, Leitungsverläufe und Objektbezeichnungen vermieden.
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| Gebäude und Geschosse | CAD oder BIM | Gebäude- und Geschoss-ID | Umbau oder Neubau |
| Räume und Nutzungsflächen | CAFM mit CAD-Bezug | Raum-ID | Nutzungs- oder Flächenänderung |
| Außenanlagen | GIS | Flächen- oder Objekt-ID | Umgestaltung und Pflegeänderung |
| Ver- und Entsorgungsnetze | GIS oder Netzkataster | Leitungs- und Abschnitts-ID | Reparatur, Erweiterung oder Stilllegung |
| Technische Außenanlagen | CAFM und GIS | Anlagen-ID | Austausch oder Standortänderung |
Geometrie und Stammdaten über Kennungen verbinden
Die Integration sollte nicht allein über räumliche Nähe erfolgen. Gebäude, Räume, Schächte, Leuchten, Hydranten und Leitungsabschnitte benötigen eindeutige Objektkennungen. Diese Kennungen verbinden Geometrie, technische Eigenschaften, Dokumente, Wartungsdaten und Störungsmeldungen. Unterschiedliche Bezeichnungen aus Altsystemen können als Alias erhalten bleiben, dürfen jedoch nicht mit der verbindlichen Identität verwechselt werden. Ein zentrales Objektverzeichnis erleichtert die Zuordnung und verhindert, dass bei jeder Schnittstellenübertragung neue Dubletten entstehen.
Inhalt und Geometrie anwendungsbezogen übertragen
Die Austauschformate richten sich nach dem konkreten Prozess. Für einfache Standortobjekte können georeferenzierte Vektorformate ausreichend sein. Für komplexe Gebäude- und Anlageninformationen kommen strukturierte CAD-, BIM- oder IFC-Daten infrage. IFC ist als offener, herstellerneutraler Standard für den Austausch von Informationen über Gebäude und Infrastruktur angelegt und berücksichtigt Daten über den Lebenszyklus eines Assets. Nicht jeder CAD-Inhalt muss jedoch vollständig in das GIS übertragen werden; entscheidend sind die für den jeweiligen Anwendungsfall benötigten Objekte und Attribute.
Änderungen kontrolliert in beide Richtungen zurückführen
Für jede Schnittstelle sind Übertragungsintervall, Prüfregeln, Fehlerbehandlung und Verantwortlichkeit festzulegen. Änderungen an Gebäuden können beispielsweise neue Außenkonturen im GIS auslösen, während verlegte Leitungen eine Aktualisierung der CAD-Unterlagen erforderlich machen. Geeignete Einsatzfelder sind Leitungsauskünfte, Winterdienst, Grünflächenpflege, Feuerwehrzufahrten, Sicherheitsplanung und Störungsbearbeitung. Erst ein geregelter Rückführungsprozess macht aus der technischen Verknüpfung ein dauerhaft nutzbares Standortinformationssystem.